Auf meinen Seiten verwende ich häufig die Abkürzung CB. Sie steht für communitybuilding (Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck).


Was ist Gemeinschaftsbildung?

Der amerikanische Psychiater, Psychtherapeut und Schriftsteller Morgan Scott Peck beschreibt in seinem Buch
>
Gemeinschaftsbildung< den Prozeß, durch den Gruppen von Menschen gehen, wenn sie eine authentische
Gemeinschaft werden wollen. Er beschreibt dabei 4 Phasen:

1.  die Pseudogemeinschaft

2.  das Chaos

3.  die Leere

4.  die authentische Gemeinschaft

Als Hilfsmittel auf diesem Weg formulierte er eine Reihe von Kommunikationsempfehlungen, die das Gelingen diese Prozesses unterstützen. Sie folgen im Anschluss an diesen Text.

Das Buch ist im Eurotopia Verlag erschienen und über das Ökodorf Siebenlinden zu beziehen.


Kommunikationsempfehlungen für die Gemeinschaftsbildung

frei nach Scott Peck

 

Komme pünktlich zu jeder Runde

.

Bleibe bis zum Ende jeder Runde

.

Sage jedes Mal, wenn Du sprichst, als erstes deinen Namen

.

Sprich in Ichform

.

Bleibe in der Gegenwart, sprich von Deiner momentanen Erfahrung

.

Schließe ein – vermeide jemanden auszuschließen

.

 Höre auf Deine innere Stimme, sprich nur, wenn Du dazu bewegt bist

      .      

Du brauchst nicht zu antworten

.

Teile der Gruppe mit, wenn Dir etwas nicht gefällt

.

Höre aufmerksam und mit Respekt zu, wenn eine andere Person etwas mitteilt

 .  

Formuliere nicht schon eine Antwort während der Andere spricht.

.

Sei emotional anwesend, mit oder ohne Worte

.

Erkenne den Wert von Stille und Schweigen in Gemeinschaft

.

Respektiere absolute Vertraulichkeit

.

Führe keine Nebengespräche – nur einer redet

.

Erforsche Dich und achte auf Deine Impulse

.

Gehe ein Risiko ein

.

Übernimm Verantwortung für den Prozess, verhalte Dich so, dass eine Leitung überflüssig wird




Über das Buch „Gemeinschaftsbildung“ von Scott Peck

 

eine subjektive Interpretation

Für mich ist Scott Peck jemand, der immer wieder durch den Wald gegangen, gekrochen, geschritten, geklettert und gestolpert ist und über diese Erfahrungen ein Buch geschrieben hat. Darin hat er uns Kommunikationsempfehlungen hinterlassen.

Nun will ich auch in den Wald gehen und bin sehr dankbar dafür, dass es dieses Buch gibt. Und ebenso dankbar bin ich dafür, dass es keine Regeln, sondern Empfehlungen sind.

Denn der Wald ist niemals der gleiche, er ist ähnlich, aber auch immer in Wandlung.

Scott Peck hat keine Methode beschrieben. Was bleibt ist eine denkbar einfache Form. Menschen setzen sich in einen Kreis und lassen sich auf DAS ein, was dann geschieht.

Scott Peck beschreibt den Weg zu authentischer Gemeinschaft als einen Tanz durch 4 Phasen.

Pseudogemeinschaft

Chaos

Leere

authentische Gemeinschaft

 

Aber zuerst einmal, was ist eine authentische Gemeinschaft?

Wir sind verbunden und uns dieser Verbindung bewusst. Wir wollen uns nicht gegenseitig verändern, bekehren oder heilen. Alle Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Wir feiern unsere Unterschiedlichkeit und die Fülle der Vielfalt.
Das sind einige Aspekte einer authentischen Gemeinschaft.

Zu den Phasen:

Pseudogemeinschaft ist die uns wohl vertrauteste Art von Gemeinschaft. Wir sind voller guten Willens, höflich, nett, stellen unsere Bedürfnisse zurück, beherrschen uns, machen Kompromisse, sind pragmatisch. Meist sind wir auch nur bedingt aufrichtig und akzeptieren Tabus und nehmen Rücksicht. Wir manipulieren und werden manipuliert

Wenn es uns dann nicht mehr gelingt, all diese Verhaltensweisen aufrecht zu erhalten, wenn uns der Kragen platzt, oder wenn wir unsere Hilflosigkeit nicht länger ertragen und verbergen können, dann gelangen wir in die Chaosphase. Unsere Schatten übernehmen nun mehr und mehr die Regie, wir bekämpfen uns, sind voller Abwehr, oder ziehen uns zurück und verschließen uns. Irgendwann können wir auch diesen Zustand nicht mehr länger ertragen und gehen entweder zurück in die Pseudogemeinschaft….oder wir gehen weiter…in die Leere

In dieser Phase machen wir uns leer. Michael Lukas Möller sagt: „Ich bin nicht Du, ich weiß dich nicht“. In dieser Phase hören wir nun auf, die Anderen zu belehren, zu verbessern, abzuwerten, zu bekämpfen oder zu manipulieren. Wir sind ganz bei uns und erkennen unsere Einzigartigkeit. Wir hören auf zu „machen“, und lassen uns auf das ein, was gerade geschieht.

Diese Phase ist oft geprägt von Ratlosigkeit, Schweigen und Erstaunen und mitunter erleben wir tiefe Gefühle und auch tiefen Frieden. Und wenn wir uns dann so zeigen, in unserer Verletzlichkeit und wenn wir den anderen lassen können wie er oder sie ist, wenn wir uns öffnen und weiten, dann kann authentische Gemeinschaft sein.

Sie erfordert nichts, außer Dein Jetzt und Hier sein.

Ganz so linear wie sie jetzt hier beschrieben sind, verlaufen die Phasen allerdings nicht. Brüche und Sprünge sind möglich, schnelle Wechsel ebenso wie langes Verharren in einer Phase und natürlich gibt es auch Rückfälle.

Vertraue auf den Prozess, so lautet eine zentrale Empfehlung. Es gibt keine festgelegte Form, die die Gemeinschaft haben muss. Es geht immer um die Gemeinschaft die Jetzt und Hier möglich ist. Die anwesenden Menschen sind immer genau die Richtigen.

Die Beschreibung der 4 Phasen kann eine Hilfe sein, sich auf den Prozess einzulassen und sich nicht gleich verrückt zu machen, wenn es mal nicht so läuft, wie wir uns das gewünscht und vorgestellt haben. Letztlich ist es aber wenig hilfreich, im Prozess immer wieder zu schauen, wo wir gerade sind und ob wir schon Phase 4 erreicht haben. Denn es gibt nichts zu erreichen, es geht immer um den Prozess.

Vertraue dem Prozess

 

Noch einmal zur Definition einer authentischen Gemeinschaft

Eine wesentliche (notwendige) Eigenschaft ist die Einschließlichkeit der Gemeinschaft. Sie wird nicht durch Abgrenzung zu andern Personengruppen oder durch die ausschließliche Verehrung einer Ideologie, eines Glaubensystems oder die Erledigung einer Aufgabe gebildet. Eine authentische Gemeinschaft wird immer bemüht sein, sich zu erweitern. Sie ist integrierend.

Und eine authentische Gemeinschaft ist eine Gruppe von Anleitern (Group of all Leaders).  Jede/r ist gleichermaßen ein Anleiter, eine Verantwortliche für den ganzen Gruppenprozess. In der Konsequenz bedeutet es nichts anderes, als dass der Geist der Gemeinschaft das leitende Element ist.

Dieser Text basiert auf meinem Verständnis des Buchs und meinen Erfahrungen in Gruppen verschiedenster Art. Ich lade uns ein, schon jetzt damit zu beginnen, in Gemeinschaft zu sein, obwohl wir die Anderen noch gar nicht kennen.

Ich hoffe, dass meine subjektive Zusammenfassung, Dir eine Hilfe sein wird. Ich habe nur einen sehr kleinen Ausschnitt gewählt und erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ich bitte an dieser Stelle noch einmal darum, sich die Kommunikationsempfehlungen durchzulesen und sie auch ganz bewusst auf sich wirken zu lassen. Für mich sind sie eine Art innere Richtschnur und ich schaue immer wieder, was macht diese Empfehlung mit mir, fällt es mir gerade leicht sie zu beherzigen, oder macht es mir Angst mich gerade darauf einzulassen. Oder bin ich gerade bereit mich ihnen anzuvertrauen oder habe ich gerade den Impuls, sie in Frage zu stellen.

Und immer wieder die Frage: „Was in mir ist gerade lebendig? Ist es Angst, ist es Lust und meldet sich mal wieder mein Ego, dass sagen will: "Hallo, ich bin auch noch da“

Und immer wieder bemühe ich mich zu einem Aha zu finden. Kein Ja, kein Nein. Aha, so ist das also. Und dann dem Prozeß zu vertrauen.


WIR ALLE HABEN IMMER ALLES DABEI. (Was wir brauchen)

NIEMAND IST FALSCH.

NICHTS WIRD JEMALS FEHLEN. (Oder hat jemals gefehlt)

ALLES HAT SEINEN SINN.

NICHTS IST VERGEBENS.